
Kalkfarbe und Kalkputz karbonatisieren, werden zu Kalziumkarbonat und bleiben offenporig. Dieser Prozess bindet einen Teil des beim Brennen entstandenen CO2, auch wenn er die Bilanz nicht vollständig ausgleicht. Mineralische Anstriche sind unbrennbar, schimmelresistent und harmonieren hervorragend mit Massivmauerwerk, historischen Substraten und modernen, kapillaraktiven Wandaufbauten.

Leinöl, Tungöl und Carnaubawachs dringen ein, betonen Maserung und lassen Holz reparierbar. Achten Sie auf kaltgepresste Qualitäten, nachvollziehbare Herkunft der Saaten und Additive mit geringer Emission. In unserer Werkstatt reduzierte der Wechsel von lösemittelreichen Lacken zu Öl-Wachs-Systemen Gerüche, Rüstzeiten und Reklamationen spürbar, bei gleicher Beanspruchungsklasse.

Lehmputze und kaseingebundene Anstriche regulieren Feuchte, binden Staub und erzeugen samtige Tiefenwirkung. Casein aus Milchprotein vernetzt mit Kalk oder Kreide zu erstaunlich robusten Filmen. Pigmente aus Ocker, Umbra oder Eisenoxid liefern erdige Nuancen. Das Ergebnis: ruhige Räume, die selbst bei wechselnder Belegung angenehm ausbalanciert bleiben.
Ein Eichenboden aus einer aufgegebenen Scheune zeigt Äxthiebe, Schraubenlöcher, Sonne und Regen – ein lebendiges Archiv. Mit QR-Codes verknüpften wir Herkunftsdaten, Handwerksbilder und Pflegehinweise. Besucher blieben stehen, berührten das Holz und fragten nach Menschen hinter dem Material. Solche Momente verwandeln Räume in Begegnungen statt Kulissen.
Pigmente aus lokalen Sandsteinbrüchen, Flusssedimenten oder Hügellehm bilden Paletten, die mit Umgebung resonieren. Als wir Kalklasuren an einen Flusskiesel hielten, fanden wir eine ruhige, graubeige Serie, die Tageslicht wunderbar trägt. So entstehen Übergänge zwischen außen und innen, welche die Architektur verankern statt sie dekorativ zu übertönen.
Mit einer regionalen Kalkbrennerin entwickelten wir eine Schlämme, deren Körnung am Ende leicht fühlbar blieb. Die Wand reflektiert nun das wechselnde Licht, statt es zu glätten. Diese Zusammenarbeit stärkte Vertrauen, schuf Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrlinge und bewies, wie Kooperation ästhetische, ökologische und soziale Qualität zugleich erhöhen kann.
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